Geschichte im Detail

Gründung
Die evangelische Gemeinde (damals war es nur eine Gemeinde mit fünf Bezirken und zwei Kirchen) feiert am 13. September 1903 das 200jährige Bestehen der Schloßkirche mit zwei Gottesdiensten und einem „Familienabend“ (Gemeindeabend) im evangelischen Vereinshaus. Gegen Ende dieses Abends fragt einer der Pfarrer, ob dieses Jubiläum denn auch einen praktischen Erfolg haben könne und weist auf den Notstand hin, „wie er in der vielfachen Gefährdung und Verwahrlosung unserer Kinder – selbst im zartesten Alter – vorliegt“.

Pfarrer Palmer, der sich gerade für einen Monat in Offenbach aufhielt, wendet sich an die „Frauen und Jungfrauen“, sie sollten einen Frauenverein bilden, mit dem Ziel, dass jeder Bezirk eine Kinderschule und ein Gemeindehaus bekäme.

Noch an diesem Abend schreiben sich spontan 60 Personen ein. Schon am 17. September findet die konstituierende Versammlung des Frauenvereins statt. Die Eintragung ins Vereinsregister der Stadt Offenbach am Main ist am 26. Oktober 1903. Der ersten Begeisterung folgt keine Ernüchterung – obwohl manche Offenbacher, zumal die gebildeten und wohlhabenden, einem solchen konfessionellen Verein skeptisch gegenüber stehen! Bereits im Sommer 1904 zählt der Verein über 1000 Mitglieder. Das bedeutet, dass annähernd jede zwölfte evangelische Frau damals Mitglied war.

Linderung der sozialen Not
Mehrere Monate nach der Gründung wurde in der Sandgasse eine Kleinkinderschule errichtet, die mit der Zeit von über 100 Kindern besucht wurde. Viele wurden dort auch mittags verpflegt. Die Leitung hatten zwei Diakonissen aus dem Karlsruher Mutterhaus Bethlehem übernommen. Durch die immer kleiner werdende Zahl der Diakonissen musste leider die Station Offenbach aufgegeben werden.

1906 wurde eine Handarbeitsschule für Schulmädchen eingerichtet. Es folgte dann ein völlig neues Aufgabengebiet: die Hauspflege. Diese linderte viele Nöte, gerade in den damals sozial schwachen Arbeiterfamilien mit oft vielen Kindern. Ein Teil der Kosten wurde bei großer Bedürftigkeit vom Verein getragen. Die Zahl der Hauspflegerinnen betrug bis zu 47, ging dann während des Ersten Weltkriegs zurück. Nach dem Krieg übernahm die Stadt die Hauspflege, die dann aber auf ein Minimum zurückgenommen wurde.

Man nahm sich auch der berufstätigen Mädchen an, besonders solcher, deren Elternhaus auswärts stand. In der Karlstraße wurde ein Mädchenheim zusammen mit der Kriegshilfe errichtet. Der Verein arbeitete auch für Kranke und Verwundete.

Während und nach dem Ersten Weltkrieg schloss sich der innere Kern des Frauenvereins, der Helferinnenkreis, immer  enger zusammen, traf sich monatlich, verpflichtete sich in verschiedener Weise zur aktiven Mitarbeit. Es wurden Handarbeiten für den Weihnachtsbasar angefertigt, andere kassierten die Beiträge, warben neue Mitglieder, halfen bei der Ausgestaltung der Feste. Zu unserer großen Freude ist der Helferinnenkreis bis heute unvermindert tätig.

Ausbildung für Mädchen und Frauen
Ein neuer, wichtiger Abschnitt in der Vereinsgeschichte begann, als das Haus Bernardstraße 19 im März 1927 erworben werden konnte.

In diesem geräumigen Haus wurde eine Haushalts-, Kinderpflegerinnen- und Frauen- arbeitsschule eingerichtet mit staatlich anerkanntem Abschluss für Kinderpflegerinnen. Dank tüchtiger Lehrkräfte erfreute sich die Schule eines guten Besuchs und viele junge Offenbacherinnen wurden für die Aufgaben einer Hausfrau vorbereitet. Entsprechende Abiturientinnenkurse ergänzten das Programm. Die Tradition der Nähkurse konnten der Frauenverein einige Jahre nach dem letzten Kriege wieder aufnehmen; auch sie erfreuten sich eines lebhaften Zuspruchs.

Der Verein in der Zeit des Nationalsozialismus
Es kam die Zeit des NS-Staates und damit die Bedrängung kirchlicher Arbeit. So musste es hingenommen werden, dass 1937 die Schule geschlossen wurde und die Kindergärten der NSV (Nationalsozialistische Volkswohlfahrt – seit der Machtergreifung der NSDAP 1933 eine Staatsorganisation) überwiesen wurden. Die dort tätigen Karlsruher Diakonissen wurden von den Gemeinden als Pfarrhelferinnen übernommen. Das Hospiz, das im Haus eingerichtet worden war, und ein großer Mittagstisch – es wurden bis 120 Essen ausgegeben – konnten bestehen bleiben. Doch war der Verein durch den Verlust der Schule gezwungen, das zum Teil nicht genutzte Haus zu verkaufen. Der neue Besitzer gestattete jedoch die Weiterführung des Hospizes für Dauergäste und Durchreisende. Dieses Hospiz war schließlich der Anfang des Altenheimes. Der Bombenkrieg zerstörte im März 1944 das Haus, ein Teil der anvertrauten alten Menschen wurde aufs Land gebracht. Als Zuflucht diente eine 5-Zimmer-Wohnung in der Karlstraße. Durch die Kriegsereignisse war der Vorstand des Vereins nicht mehr arbeitsfähig. Die in Offenbach verbliebenen Helferinnen versammelten sich in der Karlstraße.

Wiederaufbau des Vereins nach 1945
Das Kriegsende bedeutete zugleich das Ende der Unterdrückung der christlichen Bekenntnisse. Mit neuem Mut gingen die noch verbliebenen Mitglieder und Helferinnen an die Arbeit und den Wiederaufbau des Vereins mit seinen diakonischen Aufgaben. Zunächst wurden wieder Kindergärten an der Lutherkirche und im früheren städtischen Kinderhort, in der Andréstraße 102 eröffnet. Dorthin konnte nach Beseitigung von Kriegsschäden und Auflösung noch bestehender Mietverhältnisse auch das Hospiz aus der Karlstraße übersiedeln. Hier wurde auch die Betreuung einer größeren Zahl alter Mitbürger wieder möglich. Die Kindergärten an der Friedenskirche und in der Lukasgemeinde wurden auch zuerst vom Frauenverein eingerichtet. Sie wurden zusammen mit dem Kindergarten an der Lutherkirche 1952 vom Gemeindeverband übernommen. Der Kindergarten im Hause Andréstraße wurde weitergeführt, bis durch die Auflage, nur Fachkräfte zu beschäftigen und dem Weggang der Diakonissen die Ausgaben derart anwuchsen, sodass die Fortführung ohne Gewährung erheblicher Zuschüsse bei den sozial gehaltenen niedrigen Gebühren für die Betreuung der Kinder nicht mehr möglich war. Der Verein konnte inzwischen das Haus, das ihm die Stadt vermietet hatte, 1960 käuflich erwerben, mit der Auflage, dass immer ein Altenheim auf diesem Grundstück betrieben wird. Dies erforderte erhebliche Investitionen in das Haus, das ja ursprünglich für andere Zwecke erbaut worden war.
So widmete sich der Verein in erster Linie der Aufgabe, alte Menschen im Lebensabend zu umsorgen, ihnen ein Zuhause zu bieten, in dem sie sich wohl fühlen können.

Altenpflege – auf dem jeweils neuesten Stand
Viele Aus- und Umbauarbeiten waren bis dahin schon geleistet worden und sollten noch folgen. Die Mittel dafür wurden auch mit Spenden und durch die bekannten und begehrten Basare der Helferinnen erwirtschaftet.

1964 beauftragte der Vorstand zwei Architekten mit der Planung für einen Anbau mit Pflegeplätzen und Wohnheim. Nach mehreren Änderungen und vielen Anfragen bei Geldgebern konnte am 15. März 1971 mit dem Bau begonnen werden. Zusätzlich wurde der Altbau renoviert. Am 18. Juni 1974 konnte die Einweihung offiziell gefeiert werden. Ein modernes Haus mit 81 Plätzen, davon 24 auf der Pflegestation, war entstanden.

Durch das zweimalige Anstauen des Mains, traten im neuen Anbau seit 1981/82 massive Grundwassereinbrüche auf. Alle vorhandenen Mittel wurden für die Sanierung des Kellerbereiches eingesetzt. Die Bausubstanz ließ eine dauerhafte Austrocknung nicht zu, die hohe Feuchtigkeit im Kellerbereich hatte über die Jahre starke Zerstörungen im Mauerbereich angerichtet.

Der Bedarf an Betten für Pflegebedürftige stieg an, die vorhandenen Pflegeplätze reichten nicht aus, so dass in den Zimmern des Wohnbereichs nun gepflegt werden musste. Die Ausstattung des Hauses wurde diesen Anforderungen nicht gerecht, Auflagen der Heimaufsicht und des Brandschutzes führten zu neuen Überlegungen über die Zukunft des Hauses.

Durch Initiative von Frau Else Kurth (Vorsitzende 1986 – 2000) und mit Unterstützung des Diakonischen Werkes und des Kuratoriums Deutsche Altershilfe entstanden Ideen für ein völlig neues Haus. Das Konzept für ein „Wohnprojekt mit gerontopsychiatrischen Wohngruppen“ entwickelten die Einrichtungsleiterin Frau Tripmacker (gleichzeitig hauptamtlicher Vorstand 2000 – 2011), Herr Baumgarten (Sozialpädagoge und Mitglied des Vorstandes) und Frau Dr. Plaut (Neurologin und Mitglied des Vewaltungsrats).

Das Büro „Kuecken-Architekten“ unter der Leitung von Herrn Architekt BDA Wolfgang Kuecken erarbeitete mit dem Verein die Grundstruktur für das neue Haus, fertigte den Entwurf sowie die Bauplanung für dieses Gebäude und übernahm auch die Baukoordination.

Nach zahlreichen Entwürfen, diversen Um- und Neuplanungen sowie Genehmigungsverfahren, an denen viele Köpfe und Hände mitgewirkt haben, konnte nach über 4 Jahren Vorbereitungszeit am 26.08.2002 mit dem Neubau begonnen werden.

In diesen Baukomplex wurden fast 7 Millionen Euro investiert. Neben Eigenmitteln des Bauherren und Kapitalmarktdarlehen beteiligten sich das Land Hessen und die Stadt Offenbach/Main mit insgesamt 3.200.000 Euro.

Nachdem für den Heimbetrieb ein Bau-Ausweichobjekt in Frankfurt/M.-Bornheim gefunden war, konnte das Heim mit Genehmigung des Bundes-Gesundheitsministeriums im Dezember 2001 umziehen und das Gebäude in der Andréstraße wurde vollständig abgerissen.

Am 29.11.2002 wurde durch Herrn Oberbürgermeister Gerhard Grandke der Grundstein für das neue Haus gelegt und am 21.05.2003 konnte der Richtkranz gehoben werden.

Am 6. November 2003 konnten die Bewohner aus dem Übergangshaus in Frankfurt in das neue Heim nach Offenbach ziehen. Vom 12. bis 14. Dezember 2003 wurden die offiziellen Einweihungsfeierlichkeiten, zugleich mit der Feier zum 100. Gründungstag des Evangelischen Frauenverein e.V., mit viel politischer Prominenz und Presse begangen. Das neue Pflegeheim erhielt den Namen der langjährigen Vorstandsvorsitzenden Frau Elisabeth Maas.

Mitte des Jahres 2010 wurde klar, dass in Offenbach 400 weitere stationäre Pflegeplätze entstehen sollen. Ungeachtet der Tatsache, dass hiermit ein erhebliches Überangebot geschaffen würde, waren drei neue Heime geplant, beziehungsweise bereits im Bau. Die absehbare Konkurrenzsituation wurde im Vorstand und Beirat des Evangelischen Frauenvereins intensiv diskutiert. Schließlich kam man zu dem Ergebnis, dass sich der Evangelische Frauenverein dieser immensen Herausforderung nicht gewachsen fühlt, zumal zum Ende 2011 auch die langjährige Einrichtungsleiterin, Frau Tripmacker, in den wohlverdienten Ruhestand zu gehen beabsichtigte. Die immer gute Kooperation mit Herrn Hothum, kaufmännischer Geschäftsführer der Inneren Mission, bot eine naheliegende Lösung, man entschloss sich zur Zusammenarbeit. Aus formaljuristischen Gründen musste der Evangelische Frauenverein in den Freundeskreis Evangelischer Frauenverein Offenbach am Main e.V. umgewandelt werden.

Seit dem 01.01.2012 ist die Innere Mission gemeinsam mit dem Freundeskreis Evangelischer Frauenverein Betreiberin des Elisabeth-Maas-Hauses.

Ziel dieser grundlegenden Veränderung war es, die wirtschaftliche Verantwortung in die Hände eines größeren Trägers zu legen und damit mehr Sicherheit für das Fortbestehen der Einrichtung zu schaffen.

 

 

 

Langjährige Helferinnen (1949)
Andréstraße 102 um 1954
Der Neubau 1973
Das Elisabeth-Maas-Haus (seit 2003)